Von wegen hirntot!

"Bis auf den Grund des Ozeans" heißt ein unglaublich berührendes und Mut machendes Buch von Julia Tavalaro, das Richard Tayson für sie aufgeschrieben hat.

Nach 7 Monaten im Koma erwacht eine junge Frau vollständig gelähmt in einem Krankenhausbett. Sie gilt als hirntot und wird entsprechend behandelt, doch sie bekommt alles mit, was in ihrer Umgebung passiert. 6 Jahre später bemerkt eine junge Therapeutin, dass Julia mit den Augen kommunizieren kann. Dann diktiert Julia Richard ihre Geschichte.

Hier ein paar Auszüge:

"Es ist der dritte Tag, nachdem ich aus dem Koma erwacht bin. Als sie meine Windeln wechseln und mich anziehen, höre ich eine der Schwestern sagen: "Die da kriegt heute Besuch. Eltern, glaube ich."
Die andere sagt: "So eine Scheiße. Dann müssen wir sie saubermachen."
Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ich stelle mir vor, wie Mutter mit Rosen hereinkommt, wie Vater mich auf die Wange küßt und mir sagt, daß alles wieder gut wird. Wie soll ich ihnen sagen, daß ich wach bin?"

"Mein Vater steht mit tränenüberströmtem Gesicht am Fußende meines Bettes. Ich habe ihn nie zuvor weinen sehen, denke ich. Er und meine Mutter glauben offensichtlich, daß es keine Hoffnung gibt. Ihr Kummer ist schwerer zu ertragen als der Schmerz in meinen Armen und Beinen, als meine Unfähigkeit, ihnen zu sagen, daß ich noch lebe."

""Hallo, Mrs. Televaro", sagt eine Stimme, die ich nicht kenne. "Können Sie mich hören?"
Ich will die Augen schließen und weiterträumen. Obwohl sie meinen Namen falsch ausspricht, lässt mich die Sanftheit in dieser Stimme zuhören. ...
"Ich bin Arlene Kraat von der Sprachtherapie. Wir wollen mal sehen, ob Sie sprechen können."
Sie hält inne und ich spüre, dass ich einen Traum erlebe, einen Traum, der damit enden wird, dass ich als Närrin dastehen werde, während die Heldin sich abwendet und durch die Tür geht.
"Können Sie die Augen schließen, Mrs. Tavalaro?" Diese Worte sind ein Schock, der mich in die Realität zurückreißt. Das ist kein Traum: Jemand spricht MIT MIR. Ich schließe die Augen. Ich öffne sie und sehe Arlenes Gesicht. "Können Sie zweimal blinzeln?" Ich tue es.
Stille füllt den Raum zwischen uns. Ihr Gesicht zeigt Schock und Trauer und Glück gleichzeitig. In den vergangenen Jahren war niemand auf die Idee gekommen, mir diese einfachen Fragen zu stellen. "In Ordnung, Mrs. Tavalaro. Ich möchte, dass sie mit Augenbewegungen antworten. Können Sie die Augen nach oben bewegen, so?" Sie rollt die Augen zur Stirn hoch. Ich beobachte sie dabei. Dann spüre ich, wie mein Geist sich mit einer schnellen Bewegung meiner Augen aus den Ozeantiefen des Schmerzes erhebt. Zum ersten Mal seit sechs Jahren fühle ich mich wie ein ganzer Mensch."

Dieses Buch habe ich eigentlich für Lydia besorgt, weil sie sich als Therapeutin für die Arbeit mit Komapatienten interessiert. Ich finde, es sollte zur Pflichtlektüre aller im Gesundheitswesen Tätigen werden.
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SD530107

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Zuletzt aktualisiert: 5. Nov, 13:53

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